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Luther : Schatten & Licht

Mai 30, 2012

Bei der Zeichnung rechts unten reifte zum ersten Mal der Wunsch, diesmal mehr mit Schatten und Licht zu arbeiten, um Stimmung zu erzeugen. Ein Moment den ich manchmal verfluche, aber das Endergebnis wird’s mir danken.

7 Kommentare leave one →
  1. Mai 31, 2012 2:13 pm

    es gibt ja, wenn man so sagen will, eine Art gemeinsames Gespräch zwischen Film und Comic. gegenseitige Beeinflussung und Inspiration.

    der Regisseur, der als der Beste des vergangenen Jahrhunderts von der eigenen Riege gewählt wurde, das war Ingmar Bergman. er und sein Kameramann, Sven Nykvist, haben wohl neue Maßstäbe gesetzt, gerade im Experimentieren mit Licht und Schatten. naja, und eindringlich sind viele seiner Filme schon. :-)
    Bresson und Tarr, manchmal, glaube ich, auch Dreyer, allerdings sind eher Minimalisten. und sie haben’s auch geschafft, eindrückliche Filme auf die Leinwand zu bannen. wenn man so sagen möchte, gerade ihr nüchterner Stil hat es zustande gebracht, Dinge für sich selbst sprechen zu lassen, sozusagen auf ihre natürliche Art und Weise.

    was ist der Grund für dich, dass du dich so gegen Licht und Schatten sträubst? (Effekthascherei? Oberflächlichkeit? Plakativität? Unnatürlichkeit?) :-)

  2. Mai 31, 2012 2:58 pm

    Erstmal Danke für deine Gedanken und deine Frage!
    Das passiert auf diesem Blog für mein Empfinden immer noch zu selten, dass jemand den Austausch sucht.

    Bergman liebe ich, seitdem ich durch Zufall auf „Wilde Erdbeeren“ stieß.
    Allein die Traumsequenz am Anfang..
    Wie er seine Figuren lebendig und vielschichtig werden lässt,
    hat mich sehr beeindruckt.

    Ich sträube mich auch gar nicht aus ästhetischen oder künstlerischen Gründen gegen den Einsatz von Schatten und Licht. (Obwohl man tatsächlich aufpassen muss, dass es nicht zur inhaltslosen Effekthascherei verkommt… und dass Menschen nicht die ganze Zeit wie potenzielle T-Shirt-Motive aussehn.)
    Der Umgang damit gehört aber zu den Königsdisziplinen des Zeichnens, erfordert viel anatomisches Verständnis.. und ist einfach scheiss viel Arbeit!

    Mit meinem Abgabedatum im Rücken und im Hinblick darauf dass ich seit Monaten von der Hand in den Mund lebe, verfluche ich es schon hin und wieder, dass ich mir diesen erhöhten Standart auferlegt habe,
    aber wie bereirs erwähnt, das Endergebnis wird’s mir danken.

    • Juni 2, 2012 9:22 pm

      ah, okay, also eher praktisch hast du das gemeint.

      ja auf jeden Fall, ich wünsche dir gutes Gelingen und viel Erfolg!!! :-)

      („potenzielle T-Shirt-Motive“ :-D sehr treffend!)

      apropos Gedankenaustausch: ist dir Hugo Balls „Die Folgen der Reformation“ bekannt? er hat ja da mit Luther echt zu kämpfen. eigentlich weniger mit ihm als vielmehr mit dem, was er eben für die Nachwehen seines Einsatzes hält. (okay, außer wenn er zu Thomas Müntzer und den Bauernkrieg kommt…)

    • Juni 3, 2012 3:01 pm

      Nein, Hugo Ball hab ich nicht gelesen.. klingt interessant.
      Auch wenn ich jetzt beim schnellmagoogeln lese, dass aus dem Buch wohl einige antisemitische Stellen herausgekürzt wurden. Luthers Aussagen zu Juden scheinen dem Herr Ball dann eher weniger aufgestoßen zu sein.
      (Das war 1918 aber natürlich auch noch ein unvergleichbar anderes Thema.. und im 16.Jahrhundert erst, als es noch keine Rassentheorie gab..)

      Aber ich habe mich schon aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem Thema befasst und viel Literatur gewälzt.
      Und ich muss sagen,
      ich habe mit Luther auch schwer zu kämpfen.
      Nicht nur beim Thema Bauernkrieg.

      • Juni 3, 2012 8:43 pm

        ui, danke für den Hinweis! das komplette Buch habe ich noch nicht durch. mir ist noch nichts aufgefallen. ich sehe aber gerade, hinten im Nachwort gibt’s ’ne Erklärung. werd ich mir anschauen und kurz berichten. zumindest in seinem „Byzantinischen Christentum“ ist er alles andere als antisemitisch. (ist allerdings später geschrieben und unter etwas anderen geistigen Voraussetzungen)

      • Juni 3, 2012 10:46 pm

        also ich habe den entsprechenden Teil vom Nachwort von H. D. Zimmermann gelesen. er gibt zu, dass einige Formulierungen Balls aus heutiger Sicht bedenklich klingen. allerdings argumentiert er auch, dass es eine Fehlinterpretation ist, die Äußerungen in dem Buch für antisemitisch zu halten. so weit ich seine Argumentation auffasse und ich mit Ball selbst auch vertraut bin, vermute ich, dass sich Ball unentschuldbar so unzulängerlicher Vergröberungen schuldig macht, wie wenn er heute gegen Moslems und den Islam schreiben würde, das seien frauenverachtende, regelfetischistische Machofreaks, die lieber die Scharia eingeführt hätten, als sich demokratisch zu engagieren. (ich vermute also, dass sich Balls Äußerungen gegen das, was er als Judentum auffasst, sehr wesentlich von dem unterscheidet, was Luther gegen die Juden verfasste.)

        was findest du eigentlich an Luther problematisch? und inwiefern wirkt sich das aus, beziehungsweise denkst du, wird sich das auswirken auf deine Darstellung?
        ich stoße mich an seinen Dualismen (Gesetz und Evangelium, Zwei-Reiche-Lehre), an der Idee eines verborgenen Gottes, dessen Liebe sich in ihrem Gegensatz offenbare, und an der Unfreiheit des Menschen. würde ich ihn darstellen, dann doch weitestgehend negativ. (so sehr ich manches, was er gesagt und getan hat, verschiedenartig begründet finden kann, ich lehne es ab.)

      • Juni 4, 2012 7:45 pm

        ok, jetzt begeben wir uns auf das schwierige Feld der theologischen Diskussion. Na gut.
        Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass ich Agnostiker bin. Ich halte mich als solchen aus Gründen der Neutralität für besonders geeignet, Biografien mit theologischem Hintergrund zu machen. :)
        Würde ein Christ, Moslem oder Atheist diese Luther-Bio machen, käme dabei sicherlich etwas völlig anderes, ideologisch gefärbteres heraus.

        Ich habe mich wie gesagt aus verschiedenen Blickwinkeln mit Luther befasst, und aus jeder davon ist ein bisschen was eingeflossen in meine Version (die natürlich auch subjektiv, weil von persönlichen Schwerpunkten und Interessen geprägt ist).

        Für mich ist ein fundamental gläubiger Mensch wie Luther von vornherein erstmal problematisch, aber auch faszinierend.

        Ich muss aufpassen, mich da nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber trotz aller Gräuel bleibt bei mir das Gefühl, dass Luther (wenn auch unabsichtlich) Türen aufgestoßen hat, die über Umwege zu Ideen des menschlichen Miteinanders führten, die wir heutzutage in unseren Breitengraden als selbstverständlich erachten.
        Auch die Zwei-Reiche-Lehre zb sehe ich da eher (wenn auch hier wieder von Luther absolut nicht so gedacht) als Möglichkeit, überhaupt über eine Trennung von Staat und Kirche nachzudenken.

        Ich muss aber betonen, dass ich kein Theologie-Experte bin, auch kein Abitur habe.. ich gehe eher instinktiv und aus meiner eigenen Lebenserfahrung heraus an diese Dinge heran.

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